Über zehn Jahre lang habe ich Menschen begleitet, die sich in elf Metern Höhe ihren Grenzen stellten. Was ich dabei über Selbstüberwindung gelernt habe, war nicht geplant – aber es hat meine ganze Arbeit verändert.
Zwei Geschwister auf einer schwankenden Brücke
Sie schrien. Beide.
Amelie – fünfzehn Jahre alt – stand oben auf der Plattform, acht Meter über dem Boden, die Hände um das Stahlseil geklammert.
Ihr zehnjähriger Bruder Jonas hing irgendwo auf halber Höhe am Mast und kam nicht weiter.
Nicht nach oben. Nicht nach unten.
Ich stand am Boden und beobachtete.
Von außen sah das aus wie ein Desaster.
Zwei Kinder, die sich gegenseitig anschrien, die jammerten, die fast weinten.
Eltern am Rand, die nervös wurden.
Andere Teilnehmer, die unsicher zu mir blickten: Sollte man da nicht eingreifen?
Nein.
Noch nicht.
Denn ich wusste: Dieses Schreien war kein Zeichen von Scheitern.
Es waren die Stimmen von zwei Menschen, die gerade in Echtzeit herausfanden, wie viel Kraft in ihnen steckt.
Jonas kletterte weiter. Amelie wartete oben auf ihn. Und als er endlich die Plattform erreichte, fielen sich die beiden in die Arme – mit Tränen, mit Lachen, mit einem euphorischen Stolz, der sich in den Minen der Zuschauer wiederspiegelte.
Ihre Mutter sagte hinterher, es habe einen „ziemlichen Adrenalin-Kick" gegeben. Aber das war eine Untertreibung.
Was auf dieser Brücke passiert war, würden die beiden nie vergessen. Ein Moment, in dem Angst sich in Vertrauen verwandelt hatte – nicht weil die Angst verschwand, sondern weil sie trotz der Angst weitergingen.

Nach dem Schreien, den Tränen und dem Weiterklettern – der Moment, in dem alles gut war
Ich habe solche Momente hunderte Male erlebt. Über zehn Jahre lang, im Hochseilgarten Worms.
Ein Ort, der Menschen an ihre echten Grenzen brachte
In Worms-Neuhausen, auf dem Gelände des DRK-Berufsbildungswerks in der Eckenbertstraße, stand ein elfeinhalb Meter hoher Abenteuerturm. Umgeben von Hängebrücken, Kletterelementen, einem Niedrigseilparcours und Bodenstationen. Dazu Schulungsräume, eine Cafeteria, eine Turnhalle. Von außen: ein Hochseilgarten wie andere auch.
Aber was diesen Ort besonders machte, war nicht die Höhe.
Es war das, was in den Menschen passierte, die hochkletterten.
Als Sozialpädagoge, Gestalttherapeut und Seminarleiter hatte ich den Hochseilgarten als erlebnispädagogischen Aktionsraum konzipiert. Der Anspruch ging weit über Klettern und Abenteuer hinaus.
Unsere Schwerpunkte lagen in der Persönlichkeitsförderung, der Stärkung von Selbstwert und Selbstsicherheit, der sozialen Integration – und, bei Jugendgruppen, auch in der Gewalt- und Suchtprävention.
In der Praxis sah das so aus:
Mehmet, ein vierzehnjähriger Junge aus Ludwigshafen, der in seiner Klasse keine Freunde hatte, ging abends mit zwei neuen Freunden nach Hause.
Eine Erzieherklasse aus Mainz kam mit blauen Flecken und Muskelkater zurück – und mit der Erkenntnis, dass „Körperspannung" nicht nur ein Kletterbefehl ist, sondern eine Lebenshaltung.
Eine Feuerwehr aus dem Bodenseeraum lernte, dass man sich auf Schritte einlässt, zu denen man sich alleine nie getraut hätte – wenn die Gruppe stimmt.
Über die Jahre kamen Tausende. Schulklassen aus der ganzen Region. Jugendgruppen. Paare. Familien. Junggesellenabschiede. Feuerwehren. Gospelchöre. Die Jugendnationalmannschaft im Minigolf. Und immer wieder: Unternehmensteams.

Bevor es in die Höhe ging, wurde am Boden Vertrauen gebaut.
Was passiert, wenn Führungskräfte klettern
Die spannendsten Beobachtungen machte ich nicht bei den Jugendlichen – sondern bei den Erwachsenen. Bei Menschen, die im Beruf Verantwortung trugen, Entscheidungen fällten, Projekte leiteten. Und die plötzlich, elf Meter über dem Boden, merkten: Hier oben gelten andere Regeln.

Eine Abteilung der SAP AG aus Walldorf kam mit 15 Mitarbeitern zum Teamtraining. Die anfängliche Skepsis – „Seilklettern für Manager, wirklich?" – verwandelte sich innerhalb von Stunden. In der Rückmeldung schrieben sie: Man habe am eigenen Körper gespürt, dass die besten Erfolge nur dann entstehen, wenn man als Team zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt.
Kein Powerpoint-Vortrag hätte das vermittelt.
Bei IBM Deutschland fasste es ein Teilnehmer so zusammen: Die Erfahrungen wirkten viel länger nach, als es im ersten Moment den Anschein habe. Trotz der kurzen Zeit habe die professionelle Führung aus dem Erlebnis mehr als nur ein sportliches Ereignis gemacht.
Genau das war unser Anspruch. Nicht Action um der Action willen – sondern ein Rahmen, in dem echte Prozesse stattfinden.
Für die Fielmann AG in Worms wurde der Tag im Hochseilgarten zu einer alternativen Weihnachtsfeier. In ihrem Gästebuch-Eintrag beschrieben die Teilnehmer einen Bogen von anfänglicher Skepsis über Begeisterung, Angst, Freude bis hin zu echtem Vertrauen – ein Tag voller Emotionen. Die Erkenntnis, die sie mitnahmen: Ziele, die unerreichbar erscheinen, werden möglich, wenn Mitarbeiter zu einem wirklichen Team werden.
Bei der BASF kam es zu einem Moment, der mich als Trainer überraschte. Während einer Teamübung nahmen die Herren ihre – wie es in der Rückmeldung hieß – „etwas zarteren Kolleginnen" kurzerhand auf die Schulter. Hierarchien lösten sich auf. Die Abteilungsleiterin landete auf den Schultern ihres Chefs.
Das sind Augenblicke, in denen Organigramme aufhören zu existieren und echte Zusammenarbeit beginnt.
Aber ein Auftrag, der mir mit am meisten bedeutete, kam von der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Die Organisatorin hatte gezögert, ob sie ihren „oft angespannten Mitarbeitern" einen Hochseilgarten zumuten könne. Ihre Bedenken waren unbegründet. In der Rückmeldung schrieb sie, einige langjährige Mitarbeiter hätten den Tag als das beste Teamtraining bezeichnet, an dem sie je teilgenommen hatten.
Neben diesen Teams arbeiteten wir mit Roche Diagnostics, Boehringer Ingelheim, der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, der Mannheimer Versicherung, Novo Nordisk und vielen weiteren Organisationen – von der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises bis zum Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.
Dabei beobachtete ich einen feinen, aber entscheidenden Unterschied: Manche Führungskräfte suchten oben auf der Plattform sofort nach dem cleveren Weg – dem Trick, der die Angst umging. Sie schafften es, das Team klatschte, sie strahlten. Aber etwas fehlte.
Andere ließen die Unsicherheit zu, zeigten vor ihrem Team, dass auch sie zitterten – und gingen trotzdem. Der Ausdruck ihrer Augen war danach von einer anderen Qualität. Nicht Bestätigung, sondern Verwandlung.
Was all diese Erfahrungen gemeinsam hatten: Nicht die Höhe war die eigentliche Herausforderung. Es war die Konfrontation mit sich selbst.
Das Muster, das ich immer wieder sah
Bevor es in die Höhe ging, habe ich meistens eine kleine Übung gemacht, die nichts mit Klettern zu tun hatte.
Ich fragte die Teilnehmer: Wie fühlt sich das jetzt gerade an? Was spürt ihr in eurem Körper?
Und dann brachte ich Beispiele, die jeder kennt: die schwitzigen Hände vor der Klassenarbeit. Das mulmige Gefühl im Bauch vor einem schwierigen Gespräch. Das Herzklopfen, wenn man im Dunkeln ein Geräusch hört.
Die meisten waren überrascht. Nicht von den Beispielen – sondern davon, dass sie zum ersten Mal bewusst auf ihren Körper achteten.
Viele hatten gelernt, diese Signale zu ignorieren. „Stell dich nicht so an." „Das bildest du dir ein." Aber die Signale waren da. Und im Hochseilgarten wurden sie laut.
Wer diese Übung ernst nahm, kletterte danach anders.
Nicht schneller – sondern bewusster. Und genau dabei zeigte sich ein Muster, das ich über die Jahre immer deutlicher erkannte.
Muster 1: Die Stürmer. Sie kletterten sofort los. Wenig nachdenken, viel machen. Oft die Lautesten in der Gruppe. Eindrucksvoll – aber manchmal auch "leicht-sinnig". Denn sie übersahen Details. Material, Wetterbedingungen, die Signale der anderen.
Muster 2: Die Verweigerer. Sie sagten von Anfang an: „Das ist nichts für mich." In Jugendgruppen kam das öfter vor – man wollte sich nicht bloßstellen. Aber besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Mitarbeiter bei einem Firmentraining. Während alle anderen in Sportkleidung kamen, trug er Anzug und telefonierte den ganzen Tag mit seinem Handy. So kriegte er die Zeit auch rum.
Muster 3: Die Stillen. Und dann gab es eine dritte Gruppe. Menschen, die nicht sofort losstürmten und auch nicht ablehnten. Sie beobachteten, stellten Fragen. Sie prüften die Ausrüstung bereits beim Anlegen der Gurte genauer als alle anderen. Sie brauchten länger, um den ersten Schritt zu machen – aber wenn sie ihn machten, waren sie voll konzentriert.
Das konnte etwas dauern. Manche Gruppenmitglieder wurden ungeduldig: Komm schon, trau dich!
Aber es war wichtig, sich die Zeit zu nehmen, Zeit für eine ganz bewusste Entscheidung. Denn sie spürten die Angst. Echte Angst.
Und genau darum ging es.
Denn Angst war im Hochseilgarten nicht das Problem – Angst war das Material, mit dem wir arbeiteten. Jeder Teilnehmer hatte sie, auch die Stürmer, auch der Alpha, der es niemals zugegeben hätte. Wir konnten dann auch von „Herausforderung" sprechen oder andere kaschierende Begriffe wählen. Aber der Körper log nicht: schwitzige Hände, ein Ziehen im Bauch, stockender Atem. Schiss haben – im fast wörtlichen Sinn.
Die Gefahr lag nicht in der Angst selbst, sondern in der Panik. Wenn der Kopf blockierte und das evolutionäre Urprogramm übernahm – Erstarren, Totstellen, nicht mehr vor und nicht mehr zurück. Wenn sich Teilnehmer diesem Punkt näherten, war eine Sache entscheidend: Atmen. Bewusst atmen. Damit der Kopf wieder klarer wurde. Damit sie die Situation wieder einschätzen konnten. Damit sie wieder entscheidungsfähig wurden.
Und dann hatten sie die Wahl: weitergehen oder herabkommen. Und beides war ein Erfolg.
Das war vielleicht das Wichtigste, was die Teilnehmer im Hochseilgarten lernten: Angst ist keine Schwäche. Angst ist ein programmierter und sehr sinnvoller Überlebensinstinkt.
Er wird erst gefährlich, wenn er unbewusst bleibt und mich leitet. Er wird zur Stärke, wenn ich ihn wahrnehme, durchatme, und trotz der Angst die für mich jetzt richtige Entscheidung treffe.
Manche gingen danach weiter über die Brücke. Manche stiegen drei Stufen die Leiter hinauf und kamen wieder herunter – mit dem gleichen Erfolgsgefühl.
Weil der Erfolg nicht in der Höhe lag, sondern in der bewussten Entscheidung.
Dieses Prinzip galt für jeden. Aber mir fiel auf, dass es bei manchen Teilnehmern tiefer ging.
Sie nahmen nicht nur die Höhe wahr, sondern auch den Wind, das Schwanken der Seile, die Blicke der anderen – alles auf einmal und alles intensiver. Ihr Verarbeitungsprozess brauchte mehr Zeit, aber er brachte auch mehr hervor. Die „Robusten" machten sich einfach nicht so viel aus all dem, schüttelten es ab und kletterten weiter. Bei den Sensibleren wurde der Moment auf dem Turm zu etwas Tieferem – wie bei den Geschwistern aus der Eröffnungsgeschichte, die schrien, weinten und sich am Ende strahlend in den Armen lagen.
Damals hatte ich dafür noch keinen Namen. Heute weiß ich: Ich beobachtete hochsensible Menschen. Nicht Menschen ohne Angst, sondern Menschen, die mehr spürten – und bei denen die gleiche Methode deshalb noch tiefer wirkte.
Sicherheit ist kein Detail – es ist die Voraussetzung
Wenn es etwas gab, worauf wir im Hochseilgarten Worms kompromisslos achteten, dann war es die Sicherheit. Anders als in den meisten Kletterparks, wo die Teilnehmer mit einer Selbstsicherung durch einen Parcours laufen, wurde bei uns jeder Einzelne von einem ausgebildeten Trainer persönlich gesichert – bei jedem Schritt, auf jedem Element. Das war aufwändig und teuer. Aber nur so konnten wir die Teilnehmer nicht nur sichern, sondern wirklich begleiten.

Sicherheit war nie ein Detail, sondern die Grundlage für alles, was danach passieren konnte.
Das war nicht nur eine Pflicht- es war die Grundlage für all die intensiven Erlebnisse der Menschen, die sich auf dieses Abenteuer einliessen.
Denn ich lernte früh: Wer genauer hinspürt, merkt auch sofort, ob ein Rahmen wirklich sicher ist oder nur behauptet, sicher zu sein. Wenn die Sicherheit nur auf dem Papier steht, merken es genau diese Menschen als Erste. Und dann passiert – nichts. Kein Wachstum. Kein Vertrauen. Kein Schritt über die eigene Grenze hinaus.
Aber wenn der Rahmen stimmt? Dann entstehen die Momente, die man nie vergisst.
Dann klettert die Schülerin, der auf dem Weg nach oben ganze dreimal aufgeben wollte, doch weiter – weil die Gruppe sie anfeuert und sie wahrhaftig ihren Mut "findet".
Dann lässt die Frau mit Höhenangst sich im Vertrauen auf die beruhigenden Worte des Trainers rückwärts vom Turm fallen – und kann das Grinsen danach nicht mehr aus dem Gesicht bekommen.
Dann schreibt eine Teilnehmerin Wochen später: Ich habe Schritte getan, die ich mir nicht zugetraut hätte. Ich weiß nun, dass ich Dinge schaffen kann, vor denen ich Zweifel und Respekt habe.
Dieses Prinzip – dass der sichere Rahmen die Voraussetzung für echte Transformation ist – habe ich aus dem Hochseilgarten in meine gesamte Arbeit mitgenommen.
Was Jugendliche mich über Verbindung lehrten
Neben den Firmenteams waren es vor allem die Jugendgruppen, die mich als Pädagoge prägten.

Soziales Lernen passierte hier nicht im Klassenzimmer, sondern zwischen Bäumen und Seilen.
Pädagogische Ansprüche und die Wünsche von Jugendlichen gleichzeitig zu erfüllen, ist oft schwer genug. Im Hochseilgarten gelang es – weil beides zusammenfiel. Die Jugendlichen bekamen die Action, die sie wollten. Und wir führten die pädagogischen Prozesse, die wir anstrebten: soziales Lernen, Kooperation, Stärkung persönlicher Ressourcen.
Mehmet war vierzehn und kam mit seiner Klasse aus Ludwigshafen. Er war der Stille in der Gruppe. Einer, den man leicht übersieht. Nach dem Tag im Hochseilgarten schrieb er ins Gästebuch, dass es „voll Spaß gemacht" habe und „voll spannend" gewesen sei. Aber dann kam der Satz, der mich berührte: Ich empfehle es jedem, weil dadurch ändert sich auch die Klassengemeinschaft, weil ein Junge, der keine Freunde hatte, hat gestern zwei neue Freunde gehabt.
Er schrieb über sich selbst. In der dritten Person. Als wäre er ein anderer.
Solche Momente lehren dich als Trainer mehr als jedes Fachbuch. Du siehst: Wenn der Rahmen sicher genug ist, wenn die Herausforderung echt ist und die Begleitung stimmt – dann trauen sich gerade die sensiblen, die stillen, die übersehenen Menschen aus der Reserve. Und finden echte Verbindung.
Eine Lehrerin aus Ludwigshafen beschrieb den Hochseilgarten als eine Möglichkeit, „unsere überfütterten, satten Jugendlichen zu begeistern" – eine lohnende Alternative für Wandertage, ein echtes Highlight für jeden Schüler. Was sie damit meinte: In einer Welt voller digitaler Reize erreichte ein analoges, körperliches, echtes Erlebnis die Jugendlichen dort, wo Unterricht oft scheiterte.
Schulklassen kamen aus der ganzen Region. Erzieherklassen. Konfirmationsgruppen. Jugendzentren. Pfadfindergruppen. Für einen Dreistundenkurs oder einen ganzen Tag. Was sie alle verband: Sie gingen anders nach Hause, als sie gekommen waren.
Vom Hochseilgarten zu den Sensiblen Helden

Nach jeder Übung wurde reflektiert. Das war der eigentliche Kern.
Wenn mich heute jemand fragt, warum ich mich auf die Begleitung hochsensibler Menschen spezialisiert habe, dann ist die Antwort kein einzelner Moment – sondern ein Jahrzehnt voller Beobachtungen.
Im Hochseilgarten habe ich gelernt, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben. Ohne Angst bräuchte es keinen Mut. Mut bedeutet, seine Angst zu akzeptieren und trotzdem das Richtige zu tun. Das steht so ähnlich in vielen Büchern. Aber ich habe es tausende Male gesehen – bei Menschen, die zitternd auf einem Balken standen und trotzdem weitergingen.
Ich habe gelernt, dass die Menschen, die am meisten spürten, oft die wurden, die am meisten über sich hinauswuchsen – wenn man ihnen den richtigen Rahmen gab. Nicht trotz ihrer Sensibilität, sondern durch sie.
Und ich habe auf einem Schwebebalken in achtzehn Metern Höhe am eigenen Leib erfahren, dass die Stimmen im Kopf – „Stell dich nicht so an", „Du bist zu empfindlich" – nichts als Psychogift sind. Übernommene Urteile, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben.
Heute begleite ich Menschen nicht mehr über Seilbrücken, sondern durch die emotionalen Höhen und Tiefen ihres Alltags.
Aber das Prinzip ist geblieben: Es geht darum, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Einen sicheren Rahmen zu finden – oder zu erschaffen.
Und dann den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn die Knie zittern.
Die Heldenmethode, mit der ich heute arbeite, hat ihre Wurzeln in diesen Jahren im Hochseilgarten. Jeder Mensch, der damals am Fuß des Turms stand und nach oben schaute, durchlief im Kleinen das, was ich heute den Heldenweg nenne: den Moment der Unsicherheit, die Entscheidung, den Schritt ins Unbekannte, die Erfahrung – und die Rückkehr als ein anderer Mensch.
Für alle, die den Hochseilgarten Worms kannten
Der Hochseilgarten Worms existiert in seiner damaligen Form nicht mehr. Die Website www.hochseilgarten-worms.de leitet heute hierher weiter – und das ist kein Zufall. Was dort begann, lebt in meiner heutigen Arbeit weiter.
Wenn du damals dabei warst – als Teilnehmer, als Lehrkraft, als Teammitglied eines der vielen Unternehmen: Ich erinnere mich an die leuchtenden Augen und die strahlenden Gesichter nach jedem Kurs. An die spontanen Aussagen in den Abschlussrunden. An die Gästebuch-Einträge, die ich bis heute aufbewahre.
Und wenn du mich fragst, was ich aus all dem mitgenommen habe, dann ist die Antwort einfach: Die Überzeugung, dass in jedem Menschen mehr Mut steckt, als er selbst glaubt. Besonders in denen, die ihre Angst am deutlichsten spüren.
Im Hochseilgarten war der erste Schritt immer der gleiche: Wahrnehmen, was da ist. Nicht wegdrücken, nicht überdenken – spüren. Wenn du merkst, dass dein Kopf nicht zur Ruhe kommt und du den Ausstieg aus dem Gedankenkarussell suchst, dann fang genau dort an.

